Ausgabe

Die Synagoge des westböhmischen Kurortes Marienbad

Lorenzo Valeriano

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Der Architekt Eduard Stern, welcher die Synagoge 1884 errichtete, schuf ein identitätsstiftendes Bauwerk – sowohl für die im westböhmischen Kur-ort Marienbad lebende jüdische Bevölkerung, als auch für die aus dem Ausland kommenden Gäste. Die jüdische Gemeinde und ihre Kultur prägten Marienbad bis zur Shoah. 
 

Inhalt

Bereits in den 1870er Jahren wurde über den Bau einer neuen Synagoge nachgedacht, da die Kapazität der vorhandenen nicht mehr ausreichte.[SVO] 1884 liess die Gemeinde aus Spenden von Kurgästen und der israelitischen Religionsgemeinschaft an einer repräsentativen Stelle der Kaiserstrasse eine Synagoge nach den Plänen des Architekten und Baumeisters Eduard Stern errichten.[ALI] Sie war im neomaurischen Stil geplant, nahm eine Fläche von 27 x 20 Metern ein und bot Sitzplätze für 296 Männer und 170 Frauen. Der Rabbiner Dr. Bernhard Löwenstein aus Lemberg weihte die Synagoge am 1. August 1884 ein. Wegen der fehlenden bildlichen Dokumentation des Innenraums weiss man nur aus Textstücken über ihr prunkvolles Aussehen Bescheid: es gab mit Gold verzierte Marmorsäulen und Buntglasfenster.[ZAN] Vierzehn Jahre nach der Synagogenfertigstellung wurde eine Orgel eingebaut.[GOL] Aus dem Jahr 1913 stammende Pläne des Baubüros Architekt Hans Kajzar und Baumeister Rud. Jentschke Marienbad zeigen überdies noch ein Gebäude der jüdischen Religionsgemeinschaft, welches als Zubau der Synagoge Marienbad gedacht war,  aber wohl aufgrund des beginnenden Ersten Weltkriegs nie realisiert wurde. Im November 1938 wurde die Synagoge verwüstet und in Brand gesetzt, die zurückbleibende Ruine anschliessend abgetragen. Wie aus Aufzeichnungen hervorgeht, verkaufte das Konsortium der Baumeister Marienbad die Ziegel an verschiedene Firmen. An die zerstörte Synagoge und die zahllosen jüdischen Opfer der damaligen Zeit erinnert im davorliegenden Park ein Denkmal aus dem Jahr 2010.

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Die Kronprinz Rudolf-Stiftung (Militär-Curhaus, links im Bild) und die Synagoge (rechts). Foto: Anonym, Verlag Hermann Seibt, Meissen, 1906. Quelle: wikimedia commons, gemeinfrei, abgerufen am 17.07.2021.
 

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Denkmal für die zerstörte Synagoge in Marienbad, Kaiserstrasse. Foto: Gampe. Quelle: wikimedia commons, gemeinfrei, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7e/Synagogue_in_Marienbad_
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