Ausgabe

Die Neue Synagoge von Milevsko (dt. Mühlhausen, Tschechische Republik)

Stephan Templ

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Zum Cover: Die ehemalige Synagoge von Milevsko, heute als hussitische Kirche genutzt, zu deren Symbolik Kelch und Kreuz gehören. Foto: Modunet. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Milevsko_synagoga.jpg

 

Es ist ein auffallender, ja, ausgefallener Synagogenbau. Weit weg von Prag konnte der junge, aufstrebende Architekt Oldřich Tyl hier kurz vor dem Ersten Weltkrieg eine Fassade im kubistischen Stil verwirklichen: auf der Suche nach einem tschechischen Nationalstil

Inhalt

Wie viele seiner Studienkollegen glaubte Oldřich Tyl (1884–1939) mit den Rhomben und aufgeklappten Dreiecken den Natio­nalstil der zukünftigen, eigenständigen Tschechoslowakei gefunden zu haben. Es war eine Referenz an die gotischen Diamantgewölbe – eine Spezialität Südböhmens. 

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Bauliche Überreste der Alten Synagoge von Milevsko, náměstí Edvarda Beneše. Foto: Melissa. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Milevsko_synagogue-old_2012-02.jpg?uselang=de

Ansonsten ist die Synagoge von Milevsko ein klassischer Bau: vier mächtige Säulen tragen ein Tympanon, auch im Inneren dominieren die Säulen, auf denen die Frauengalerie ruht. Diese ist sowohl vom Gebetsraum als auch von aussen, über eine zweiläufige gedeckte Freitreppe, erreichbar. 

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Ehemalige Synagoge von Milevsko, Innenansicht, Blick zum Thoraschrein (heute Altar). Quelle: https://sbormilevsko.cz/prostor_EN.html

Kriegsbedingt zog sich die Errichtung des Synagogenbaus von 1914 bis 1919 hin. Diese Neue Synagoge ersetzte die unweit gelegene Alte Synagoge aus dem 18. Jahrhundert, deren Relikte noch ansatzweise sichtbar sind. Zwanzig Jahre diente der Neubau als Synagoge. In der Nazizeit ein Lagerraum, wurde der einstige Tempel nach dem Krieg im ­Jahre 1950 zu einer hussitischen Kirche umgebaut – unter Bewahrung des Aron HaKodesch, des Thoraschreins. 

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Taharahaus, jüdischer Friedhof ­Milevsko. Foto: Stanislav Vondrášek. Quelle: mapy.cz, gemeinfrei: https://mapy.com/de/turisticka?l=1&source=base&id=1717798&ds=1&gallery=1&sourcep=foto&idp=8101933&x=14.3847024&y=49.4555677&z=19

Etwa eineinhalb Kilometer östlich des Stadtzentrums und nicht weit vom Kloster, an der Strasse namens Židovna liegt der im Jahre 1714 gegründete jüdische Friedhof mit seinen rund zweihundert erhaltenen Grabsteinen. Das Aufbahrungshäuschen (Beith Tahara) stammt aus dem Jahre 1928 und zeigt, so wie die Syna­goge, kubistische Elemente. 

Der Rechtsanwalt Angelo Goldstein wurde 1889 in Milevsko geboren und war ab 1931 Abgeordneter im tschechoslowakischen Parlament für die Jüdische Partei. 1939 floh er nach Palästina, wo er bis zu seinem Tode 1947 als Anwalt in Tel Aviv tätig war. 

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Ehemalige Synagoge von Milevsko, Innenansicht, Blick zur Frauengalerie. Quelle: https://sbormilevsko.cz/prostor_EN.html

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Der Rechtsanwalt Angelo Goldstein wurde in Milevsko geboren. Foto: Michaelgal 1932. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File: ד%22ר_אנג%27לו_גולדשטיין.jpg

Fortsetzung des Hauptartikels Seite 6.