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Machertyp mit sportlichen Ambitionen Eine Lebensskizze von Yosef Yekutieli (1887–1981)

Fabian Brändle

Yosef (auch Josef) Yekutieli (1897–1981, eigentlich Yosef Zusmanovitz), geboren in Kartuz-Bereza (heute Belarus), noch im russischen Zarenreich gelegen, und verstorben in Tel Aviv, darf mit Fug und Recht als einer der Gründerväter des organisierten jüdisch-israelischen Sports angesehen werden 

Inhalt

Yosef (auch Josef) Yekutieli (1897–1981, eigentlich Yosef Zusmanovitz), geboren in Kartuz-Bereza (heute Belarus), noch im russischen Zarenreich gelegen, und verstorben in Tel Aviv, darf mit Fug und Recht als einer der Gründerväter des organisierten jüdisch-israelischen Sports angesehen werden 

 

Yosef Yekutieli war von 1918 bis 1966 als Förderer der Sportbewegung aktiv und erfolgreich, begründete in den 1920er Jahren die „Maccabiah“ (Makkabiade), den ersten Israelischen Fussballverband sowie das Israelische Olympische Komitee. Im Jahre 1954 erhielt Yekutieli den Dov Hoz Preis, 1979 den Israel Preis für seine Verdienste um den jüdischen Sport und dessen Internationalisierung, und 1981 wurde er zum Ehrenbürger Tel Avivs ernannt.

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Yosef Yekutieli, der Begründer der Makkabiade, im Jahr 1929. Foto: Familienarchiv, zur Verfügung gestellt von seiner Tochter Edna Yekutiely. Quelle: media commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Yosef_Yekutieli_the_founder_of_the_Macabiya_games.jpg

 

Die Familie Yekutieli wanderte 1909 ins Osmanische Reich aus, und Yosef Yekutieli studierte an der angesehenen Religionsschule Tackemoni in Tel Aviv, anschliessend am David Yellin College in Jerusalem. Später arbeitete Yekutieli in Jaffa für das Eretz Israel-Büro und spielte gleichzeitig recht erfolgreich Fussball für Maccabi Tel Aviv, bis im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Yekutieli war aber auch ein begeisterter Turner. Er wurde noch 1914 in die osmanische Armee eingezogen und wirkte dort als Turninstruktor im Hauptquartier der in Palästina stationierten Armee-Einheiten sowie an der „public school“ von Nablus. Zudem diente er als Türkisch-Deutsch-Dolmetscher in der deutschen Transportkompanie K.K.502, bevor er 1918 gemeinsam mit weiteren jü­dischen Armeeangehörigen nach Anatolien verfrachtet wurde.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er 1918 nach Jaffa, mittlerweile im Britischen Mandatsgebiet gelegen, zurück, arbeitete wieder für die ­Eretz-Israel-Gesellschaft, und zwar in deren Zionistischer Kommission. Dann wechselte Yekutieli die Arbeitsstelle und verdiente seinen Lohn bei der israelischen Elektrizitätsgesellschaft, die Hochspannungsleitungen nach Tel Aviv verlegte und dafür Land ankaufte. Gleichzeitig führte der eigentliche „Machertyp“ die Maccabi-Bewegung – bis zu seinem Tod, nota bene. Er trieb das „nation building“ voran, beispielsweise, indem er 1928 die Eretz Israel Football Association begündete. Zudem war Yosef Yekutieli federführend an der Gründung der Federation of Amateur Sports 1931 (heute Israeli Athletic Association IFA) sowie des Olympischen Komitees von Eretz Israel 1933 beteiligt. Für den Zionisten war es das Ziel, dass die von ihm begründeten Sportverbände der FIFA oder dem IOC beitreten konnten. 

 

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Yosef Yekutieli entzündet die Fackel mit der Flamme für die 8. Makkabiade am Grab der Makkabäer, 27.7.1969. Foto: Israel Press and Photo Agency (I.P.P.A.). Dan Hadani Collection, National Library of Israel, CC BY 4.0, Inv.Nr. 04800-000-36. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dan_Hadani_collection_(990044357650205171).jpg

 

1929 kündigte Yekutieli am Weltkongress der Maccabi in der Tschechoslowakei als Redner an, die erste „Maccabiah“ organisieren zu wollen. Der Weg dahin erwies sich als steinig. Erst im Jahre 1932 wurde die erste neuntägige Makkabiade tatsächlich abgehalten, und zwar im Britischen Mandatsgebiet, im eigens erbauten Maccabiah Stadium von Tel Aviv. Rund 400 Athlet:innen aus 22 Ländern nahmen an den jüdischen Sportspielen teil. Die Makkabiade war eine jüdische Form der Olympischen Spiele und sollte unter anderem die Kraft des „neuen jüdischen Menschen“ nach aussen hin demonstrieren. Sie orientierte sich in der Inszenierung an Freiheitshelden der jüdischen Geschichte, an Makkabäern und Bar Kochba. Eigenschaften wie Härte, Tapferkeit, Physis oder Durchhaltewillen sollten sichtbar werden. Manche Erzählungen gehen davon aus, dass Yosef Yekutieli für die Namensgebung der Makkabiade verantwortlich zeichnete. Für den Zionisten war Sport nicht zuletzt von Bedeutung, weil sich die jüdische „Nation“ im Zustand des „Erwachens“ befand. Er setzte dabei auf die bereits aktive Makkabi-Bewegung im ­Yishuv, versprach aber zugleich, Sabbat-Gesetze nicht zu verletzen und somit die religiösen Kreise mit an Bord zu nehmen.

 

Nach der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 besetzte Yosef Yekutieli verschiedene höhere Verwaltungsposten, auch bei der Landbehörde. Er ging im Jahre 1961 in Rente und verfasste verschiedene interessante Texte, wie eine Autobiographie sowie eine ­anekdotenreiche, oft zitierte Geschichte des jüdischen ­Fussballs in Eretz Israel. In ­seiner Verwandtschaft und Nachkommenschaft gab und gibt es diverse Gelehrte, beispielsweise einen Physik­professor.

 

Nachlese

Blincoe, Nicholas. More Noble than War. The Story of Football in Israel and Palestine. London 2019.

Tidar, David. Encyclopedia of the Founders and Builders of Israel. New York 2019.

 

Zum Autor

Dr. Fabian Brändle, Wil SG, Historiker und Volksschrift-
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