Ausgabe

Koiderwelsch

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Inhalt

Berl Kotlerman: Koiderwelsch. Eine Grotesk-Novelle mit Prolog und Epilog.

Aus dem Jiddischen von Thomas Soxberger und Andrea Fiedermutz, mit einem Nachwort von Thomas Soxberger.

Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2026.

124 Seiten, Euro 21,00.-

ISBN 978-3-903522-41-1

 

1928 beschliesst Stalin, den Juden eine Region im Fernen Osten, Birobidschan, als autonomes Gebiet zu errichten. Anfänglich ist die Ansiedlung von 100.000 jüdischen Familien geplant. Um den jüdischen Zuzug zu animieren, wird vieles in Jiddisch gedruckt und die jiddische Sprache nicht, wie andernorts, unterdrückt. Selbst Regierungseinrichtungen tragen nicht nur eine russische Beschriftung, sondern auch eine jiddische: „die Regierung fon der jiddischer otonomer Gegent“, in hebräischen Lettern. Diese Episode der jüdischen Geschichte bildet die Kulisse des Buches.

 

Ein junger Mann schildert die Probleme einer Gruppe älterer Bewohner von Birobidschan: Etwa jene Frage, die Zeitzeugen seit jeher beschäftigt: Wenn sie nicht mehr da sind – „wer wird wissen, wie es damals wirklich war, damals, als wir hierherkamen und mancherlei hier aufbauten“.

 

Die älteren Protagonisten der Geschichte beschäftigt auch ihre Sprache, das Koiderwelsch, wie sie es nennen – das Jiddisch der alten Heimat, mit Nuancen, die wohl nur noch die Alten kennen. Als der junge Erzähler viele Jahre später, im fernen Südafrika, Koiderwelsch hört, ist die Freude gross.

 

Ort der Handlung ist das Jüdische Museum Birobidschan, wo die alten Herren ihre Werke vorlesen und oft heftige Diskussionen führen. Der Schauplatz ist ein Symbol für eine Welt, die selbst bald nur noch im Museum anzutreffen sein wird. Gleich einem Mahnmal für etwas, das vielleicht nur eine kleine Episode der jüdischen Geschichte war, aber dennoch nicht vergessen werden sollte.

 

Tirza Lemberger