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Avi Avital in Concert Ein Weltstar zu Gast in Kärnten

Cornelia Bejach-Zucha

Er brachte die Mandoline in die Konzertsäle der Welt: Avi Avital

 

Inhalt

Während das kleine Zupfinstrument seit dem 17. Jahrhundert eher in der Folklore beheimatet war, leitete der Künstler Avi Avital aus Beer Sheba in Israel die Renaissance der Mandoline für die Klassik ein. Im Rahmen des Carinthischen Sommers 2026 war der berühmte Musiker am 27. Juli 2026 zu Gast in Kärnten und versetzte zusammen mit dem Baslers Kameraorchester unter der Leitung von Hugo Ticciati das gut besetzte Konzerthaus in Klagenfurt regelrecht in ungewohnte Schwingungen.

Avi Avital, der Israeli mit dem Wuschelkopf voller schwarzer Locken ist nicht nur äusserlich eine imposante Erscheinung. Sein Spiel ist es ebenfalls. Bei Barock-Allegri zum Beispiel verwandelte er sich unweigerlich in einen Popmusiker, ein Largo hingegen zupft er leise-zärtlich wie ein verliebter Gondoliere. Avital spielt fast alles, was auch nur den Hauch von Klassik besitzt. Das geht von Johann Sebastian Bach über Antonio Vivaldi, über Ludwig van Beethoven bis hin zu den Romantikern wie Johannes Brahms oder Antonin Dvořák. Nicht selten adaptiert Avital Violinkonzerte für sein Instrument selbst, da es in der Vergangenheit relativ wenig Werke gibt, die direkt für die Mandoline geschrieben wurden. Neuerdings gibt es immer mehr Komponisten, die ganz speziell für Avi Avital schreiben. Obwohl er hauptsächlich auf Barock spezialisiert ist, wartete Avi Avital in Klagenfurt mit moderner und sehr französischer Musik auf. So erklangen von der Bühne Werke von Claude Debussy und Maurice Ravel bis hin zu Edith Piaf und Michel Legrand, er spielte aber auch Joseph Haydn und Johann Nepomuk Hummel.

Seine erste Begegnung mit der Mandoline hatte Avital im Alter von acht Jahren. Sein Freund spielte darauf, und Avi war begeistert. Dieser Freund schenke ihm sein altes Instrument und fortan lernte und spielte Avital im Mandolinen-Orchester seiner Heimatstadt Beer Sheva. In den fünfziger und sechziger Jahren war die Mandoline in Israel sehr populär; in fast allen Kibbuzim, diesen so typisch israelisch–sozialistischen Genossenschaften, gab es ein kleines Mandolinen-Orchester. On Stage, versteht sich.

Wie jeder Bursche in Israel absolvierte der Künstler seinen dreijährigen Wehrdienst in der Armee. Allerdings hatte diese ein Sonderprogramm für begabte Musiker, das Avital gewissermassen freistellte. So konnte er sein Hochschulstudium in Jerusalem fortsetzen und auch bereits Konzerte geben.

Nach der Entlassung aus der Armee zog er mit dreiundzwanzig Jahren nach Mailand und blieb dort ganze acht Jahre, um am dortigen Konservatorium unter anderem seine Fähigkeiten zu vervollkommnen. Seit 1998 spielt Avital auf einer so genannten Kerman-Mandoline, erfunden und produziert von den jüdischen Gebrüdern Arik und Yam Kerman in Montréal. Dieses Instrument hat eine Besonderheit: es sind faktisch zwei Violinen in einer. Dadurch vergrössert sich der Resonanzboden und die an sich zarten Klänge können so auch noch bis in die hinteren Reihen und obersten Rängen gehört werden.
 

In den heuer exakt vierzig Jahren, in denen er eine Mandoline in die Hand nahm, hat der Tausendsassa auf fast allen Kontinenten gespielt. Das geht von der Carnegie Hall in New York, der Berliner Philharmonie bis hin zu „Verbotenen Stadt“ in Peking sowie den jährlichen Mandolinenfestival in Osaka/Japan. Aufgrund seiner hohen musikalischen Qualität war Avital sogar für einen Grammy nominiert. Die Erfüllung eines Traumes war für Avital das Zusammenspiel mit Orchester Il Giardino Armonico, aus dem dann das Album „Baroque Total“ hervorging.


Einer der Höhepunkte in seiner Laufbahn war einst das Konzert mit Stücken von Antonio Vivaldi im Herkulessaal von Schloss Versailles. Dieses Konzert wurde damals auf Film aufgenommen und ist nach wie vor per Internet abrufbar. Eine der seltenen Möglichkeiten, derart hochqualifizierte und berühmte Konzerte zu Gänze für alle ausserhalb des Konzertsaales zugänglich zu machen. Es ist übrigens kein Geheimnis, dass Avi Avital den aus Venedig stammenden Antonio Vivaldi (1678 – 1741) über alles liebt. Einer der Favoriten für den Israeli ist Vivaldis Konzert in h-Moll RV 580.

Avital ist mit der englischen Professorin für Geisteswissenschaften Roni Mann von der Barenboim-Said-Musikhochschule verheiratet. Das Paar lebt in Berlin und hat einen Sohn.

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 Avi Avital. Mir freundlicher Genehmigung: C. Bejach-Zucha.