Ausgabe

Mel Brooks zum 100. Geburtstag

Michael Bittner

Anarchisch-absurder Humor in der filmischen Arbeit

Inhalt

Zu meinen frühen Kindheitserinnerungen zählen die sich automatisch öffnenden und schliessenden Tore in der Fernsehsendung „Mad Max“. Es ist eine Art filmischer Gassenhauer, der die absurde Geschichte vom unfähigen Agenten Maxwell Smart, der alles falsch macht und am Ende immer Erfolg hat, zu einem unvergesslichen Filmerlebnis werden lässt. Dass der Autor Mel Brooks war, wusste ich in dem Alter noch nicht. Doch schon damals, 1965, zeichnete sich Brooks filmische Arbeit durch anarchischen, absurden Humor aus, der jedoch immer oberhalb der Geschmacklosigkeitslinie blieb. Jüdischer Humor eben.

abbildung-1-brooks-als-soldat-in-europa.jpg

Brooks als Soldat in Europa. Foto: United States Army. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://www.war.gov/Multimedia/Photos/igphoto/2002914081/VIRIN: 441207-O-D0439-001.JPG, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=178924029 

 

Mel Brooks wurde am 28. Juni 1926 in Brooklyn geboren, von jüdischen Eltern, sein Vater stammte aus Danzig und war Schneider, seine Mutter war eine geborene Brookman aus Russland, daher „Brooks“. Wenn Brooks offizielle Biografie den Tatsachen entspricht, dann diente er im Zweiten Weltkrieg bei der U.S.-Army, war dann Schlagzeuger, Spassmacher, Radio-Comedian, Autor für Broadway- und andere Shows. Danach gelang ihm der Aufstieg beim Fernsehen, Mad Max war ein grosser Erfolg, seine Filmkarriere als Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent begann in den Siebzigern und machte ihn zu einem von nur achtzehn Künstlern, die einen Oscar, einen Emmy, einen Grammy und einen Tony gewonnen haben – der beste Beweis für Brooks Vielseitigkeit. Sein Privatleben war skandalfrei, eine Seltenheit bei Hollywood-Grössen, 1964 heiratete er die Schauspielerin Anne Bancroft, der er bis zu ihrem Tod nach einundvierzig Jahren Ehe treu blieb. Aus seinen beiden Ehen stammen drei Söhne und eine Tochter.

abbildung-2-mel-brooks-1984.jpg

Mel Brooks 1984. Foto: Towpilot. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1140646 

 

Schon Mad Max war eine Parodie auf die James-Bond-Filme; Brooks blieb diesem Genre treu und parodierte alle möglichen Filmgattungen wie Western (Der wilde, wilde Westen; 1974), Historienfilm (Mel Brooks‘ verrückte Geschichte der Welt; 1981, Robin Hood – Helden in Strumpfhosen; 1993), Stummfilm (Silent Movie; 1976), Horrorfilm (Frankenstein Junior; 1974, Dracula – Tot aber glücklich; 1995) und Science Fiction (Spaceballs – Mel Brooks‘ verrückte Raumfahrt; 1987). Auch wenn man die Originalfilme nicht kennt, sind seine Parodien unterhaltsam, dank surrealem Humor und Slapstick-Einlagen. Seinen Oscar bekam er für das Drehbuch von Frühstück bei Hitler (1967): es war Brooks ein Bedürfnis, immer wieder Witze über Hitler und die Nazis zu machen, da er ihre Pseudoreligion unmöglich machen wollte. Daneben gibt es häufige Verweise auf jüdische Traditionen in seinen Filmen – der jüdische Humor ist ja das Ventil für die Verzweiflung der Verfolgten. Die Tröstung des scheiternden Protagonisten wird in fast allen seinen Filmen thematisiert. So erfahren wir in Verrückte Geschichte, dass Moses von G’tt 15 Gebote bekommen hat, aber die erste Tafel sofort fallen liess. Daher gibt es nur noch zehn. In Robin Hood tritt ein skurriler Rabbi auf, eine Seltenheit im Sherwood Forest. Selbstkritisch merkte er einst an: „Meine Filme reichen weit unter die Vulgarität.“ Dennoch machte er nie Witze über den Holocaust oder andere Gräueltaten.

abbildung-3-mit-anne-bancroft-in-cannes-1991.jpg

Mit Anne Bancroft in Cannes 1991.  Foto: Georges Biard. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18645082

 

Wie bei Parodien üblich, „schwedete“ Brooks viele Szenen aus Filmklassikern, etwa die berühmte Szene vom Aufstehen Draculas aus dem Sarg aus Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu (nur, dass sich dabei der Graf an einem Luster den Kopf anschlägt) oder den Laserschwertkampf aus Star Wars. In vielen seiner Filme besetzte Mel Brooks sich selbst als Hauptdarsteller, häufig auch seine Ehefrau Anne Bancroft, weiters Madeline Kahn, den Komiker Dom DeLuise sowie Paul Newman. Marty Feldman, Liam Neeson und Gene Wilder waren weitere häufige Darsteller in seinen Filmen, die Musik steuerte meist John Morris bei. Man sieht, Brooks beschäftigte ein fast hundertprozentig jüdisches Personal.

Dass er eine Ausnahmeerscheinung war, ein Multitalent, war ihm durchaus bewusst. „Oh, ich bin kein wahres Genie. Ich bin fast ein Genie. Ich würde sagen, ich bin ein kleines Genie. Ich wäre lieber gross und normal als ein kleines Genie.“ Damit spielte er auf seine geringe Körpergrösse von 1,65 an. 

 

Brooks bester Freund war Carl Reiner, der 2020 verstorbene, gleichaltrige Komödien-Schreiber. Mit ihm verbrachte Brooks privat viel Zeit, was er jetzt so macht, ist unbekannt. Empfehlenswert ist sein Youtube-Kanal, den er (oder jemand anderer?) immer noch betreibt. Zu seinem 99. Geburtstag meinte er: „Ich wurde geboren, um Menschen zum Lachen zu bringen“. Das ist ihm gelungen.

abbildung-4-brooks-bei-der-verleihung-eines-sterns-auf-dem-walk-of-fame.jpg

Brooks bei der Verleihung eines Sterns auf dem Walk of Fame. Foto: Angela George. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10257010 

 

Nachlese

 https://www.imdb.com/de/name/nm0000316/

https://www.imdb.com/de/video/vi3394290201/?playlistId=nm0000316&ref_=nm_ov_ov_vi

https://www.youtube.com/watch?v=eKo_urZAm9o

https://de.wikipedia.org/wiki/Mel_Brooks

https://www.moviepilot.de/people/mel-brooks

https://www.youtube.com/@MelBrooksOfficial