Ausgabe

Anni Albers Modulares Design

Stephan Templ

Ausstellung zum vielfältigen Werk der Weberin und Designerin Anni Albers (Berlin 12.06.1899–09.05.1994 Orange, Connecticut, U.S.A.) im Unteren Belvedere

Inhalt

Anni Albers nee Fleischmann entstammt mütterlicherseits der Verlegerfamilie Ullstein. Ihre Mutter Antonie war die Tochter des Firmengründers Leopold Ullstein. Ihr Onkel Fritz Ross, der Grossvater des Bankiers Andreas Treichl, entdeckte als Verlagschef von Ullstein Erich Maria Remarques späteren Bestseller "Im Westen nicht Neues", nachdem das Manuskript vom S. Fischer Verlag abgelehnt worden war.

 

Früh erhielt die in Berlin-Charlottenburg Aufgewachsene privaten Kunstunterricht und kam dann in die Klasse für Weberei ans Bauhaus in Weimar. Durch eine glückliche Fügung erhielt sie 1933 eine Lehrstelle am legendären Black Mountain College in North Carolina, bis zum Jahre 1949, als ihr Werk in einer Personalausstellung im Museum of Modern Art in New York gezeigt wurde.  

 

Eines ihrer Hauptwerke ist die 1957 geschaffene Verkleidung des fünf Meter hohen Thora-Schreines der Temple Emanu-El Synagoge in Dallas. Der Kunsttheoretiker und Maler György Kepes (Selyp, Ungarn 04.10.1906–29.12.2001 Cambridge, Massachusetts, U.S.A.), der mit der künstlerischen Ausgestaltung des Sakralbaus betraut war, gewann Anni Albers dafür, eine eigenwillige Lösung zu entwickeln: 

 

Statt traditioneller Vorhänge entwarf sie acht verschiebbare Paneele, auf denen ein maschinengewebter Stoff mit sich wiederholenden Farbfeldern aus goldenen, grünen, silbernen und blauen Lurexfäden aufgezogen ist. Durch die stufenförmige Anordnung der Farbfelder und die Umkehrung der beiden mittleren Paneele entsteht eine dynamische Komposition – ein bemerkenswertes, modulares Design. Die Farben greifen die Töne der von Kepes entworfenen Buntglasfenster auf, während das Innere des Schreins mit einem Silberstoff ausgekleidet ist. 

 

Weitere Verkleidungen von Thora-Schreinen folgen: 1961für die Kongregation B´nai Israel in Woonsocket, Rhode Island und danach für die Har-Tzaon Synagoge in Silver Spring, Maryland. 

 

Die zuvor im Berliner Paul Klee Zentrum gezeigte Ausstellung ist im Unteren Belvedere bis zum 16. August 2026 zu besichtigen. 

 

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Anni Albers, Knot, 1947. Foto: Tim Nighswander / Imaging4Art © The Josef and Anni Albers Foundation / Bildrecht, Wien 2026. Quelle: www.belvedere.at, Pressemappe, mit freundlicher Genehmigung.

 

 

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Olan Sanctuary, Tempel Emanu-El, Dallas, Texas, fertiggestellt 1957. Thoraschreinpaneele von Anni Albers, Buntglasfenster von György Kepes © The Josef and Anni Albers Foundation / Bildrecht, Wien 2026 © György Kepes Estate (Imre Kepes and Juliet Kepes Stone). Quelle: www.belvedere.at, Pressemappe, mit freundlicher Genehmigung.