Mitte August 2025 haben polnische Hooligans in Ungarn Maccabi-Haifa-Fans angegriffen. Grund für Steinwürfe und Hassbanner waren heftige, gegenseitige Provokationen.
Polnische Hooligans, bekannt und berüchtigt für ihre Brutalität, haben einen Bus mit Maccabi-Anhängern bei Debrecen in Ungarn attackiert. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Maccabi-Fans hatten während des Spiels gegen Częstochowa ein Banner entrollt mit der Aufschrift „Mörder seit 1939“. Dies sei seine Beleidigung der drei Millionen polnischen Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft, hiess es auch seitens polnischer Funktionäre (Jüdische Allgemeine, 15. 8. 2025). Fussball im „Nahen Osten“ war und ist oftmals politisch, namentlich, wenn Teams aus Haifa auf der internationalen Bühne auftreten. Maccabi und Hapoel Haifa sind bekannt für gewalttätige Hooligans. Diese wüten auch bei den heftigst umstrittenen Derbies.

Kiryat-Eliezer-Stadion, 2006. Foto: NYC2TLV. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei, GFDL/CC-BY-2.5: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Qiryat_Eliezer_Stadium.jpg
Maccabi Haifa wurde im Jahre 1913 in der bedeutenden Hafen- und Eisenbahnstadt gegründet. Anfangs sportlich eher unbedeutend, sorgten österreichische Migranten für sportliche Höhenflüge. 1946 gelang der Sprung ins Oberhaus der Liga. Seither feierte man fünfzehn Meistertitel und sechs Pokalsiege, zudem Erfolge auf europäischer Ebene, auch in der Champions League.
Im Wappen dominiert der Davidstern der Maccabi-Bewegung, deren Ziel die Förderung des Bewusstseins der jüdischen Jugend für religiöse, kulturelle und nationale Werte ist („Maccabi“ wird von den Makkabäern, Priesterfamilien, abgeleitet). Der Verein wird wegen der grün-weissen Vereinsfarben auch „The Greens“ genannt.
Maccabis grosser Konkurrent innerhalb Haifas ist, wie gesagt, Hapoel. Der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangene Verein wurde im Jahre 1925 gegründet (hebr. Hapoel, dt. Arbeiter). Der Verein wurde bisher sechsmal israelischer Meister, zudem immerhin viermal Pokalsieger. Hapoel teilt sich mit Maccabi seit 2015/15 das moderne Sammy-Ofer-Stadion (Sammy Ofer war ein Philanthrop und Unternehmer) mit rund 30.000 Plätzen. Vorher war das 1955 eröffnete Kiryat-Eliezer-Stadion (ein Geschenk des Gewerkschaftsbündnisses Unione Italiana del Lavoro an die israelische Regierung) mit einer Kapazität von rund 14.000 Plätzen die am Meer gelegene Heimstätte der beiden Erzrivalen gewesen.
Im Palästina der britischen Mandatszeit war Haifa, mit seinen für die Kolonialmacht bedeutenden Ölraffinerien, eine ethnisch gemischte Stadt, mit jüdischen, arabisch-islamischen und arabisch-christlichen Bevölkerungsteilen. Verein der Araber war neben Tirsana (dt. Arsenal) der Islamic Sports Club FC, der Freundschaftsspiele im Libanon, in Syrien oder in Ägypten austrug und dabei oft recht positive Resultate zu erzielen vermochte. 1937 gewann der Verein die „Ghazi Shield“. Im Islamic Sports Club spielten zum Teil Muslime und Christen vereint. Der Vereinspräsident Shafiq Addik versuchte, ein palästinensisches Nationalteam aufzubauen, was sofort zu Problemen mit der FIFA führte. Gewissermassen ein panarabisches Bewusstsein pflegten Auslandsreisen palästinensischer Vereine oder auch Gastspiele von Teams aus Syrien wie beispielsweise 1954, als Aleppo gegen den Islamic Club vor immerhin 5.000 Zuschauern spielte. Homenetmen Haifa spielte zudem 1947 gegen den Schwesternverein aus Beirut.

Sammy-Ofer-Stadion, 2013. Foto: Oyoyoy. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sami_Offer_Stadium_06-2013.jpg
Eine andere frühe palästinensische Mannschaft waren die Haifa White Stars. Der Sports Club of El-Carmel versuchte sich ebenfalls in der eigenen städtischen Liga Haifas. Dort spielten in den 1940er Jahren sogar zwei Hapoel-Mannschaften. Oftmals kickte man gegen Militär- oder Verwaltungsmannschaften der britischen Besatzer. Ein weiterer Club war Imperial Haifa, eine Art Firmenverein, der das riesige, kriegswichtige Öldepot der britischen Navy repräsentierte. Zudem waren die Haifa Scouts (Pfadfinder) recht erfolgreich, zumindest im „Palästina-Pokal“.
Es ist wohl anzunehmen, dass es ursprünglich britische Matrosen waren, die den Fussballsport in der Hafenstadt Haifa popularisierten, ähnlich wie das beispielsweise für die strategisch wichtig gelegene Mittelmeerinsel Malta nachgewiesen ist. Zudem versuchten Sportmissionare und Gymnasiallehrer an Eliteschulen, Fussball und weitere Sportarten als Symbole des britischen Lebensstils bei den Einheimischen beliebt zu machen, so beispielsweise in Jerusalem mit der ersten Fussballmannschaft, St. George.

Israel State Cup 1963/64, Finale: Maccabi Haifa gegen Hapoel Haifa. Foto: Moshe Pridan. National Photo Collection Israel, Government Press Office, ID D548-058. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1963–64_Israel_State_Cup_final.jpg?uselang=de
Nachlese
Blincoe, Nicholas. More Noble than War. The Story of Football in Israel and Palestine. London 2019.
Dorsey, James M. The Turbulent World of Middle East Soccer. London 2016.
Khalidi, Issam. One Hundred Years of Football in Palestine. Amman 2013.
Shiihade, Magid. Not Just a Soccer Game. Colonialism and Conflict among Palestinians in Israel. New York 2011.
Zum Autor
Dr. phil. Fabian Brändle, Wil, Kanton St. Gallen, ist Historiker und Volksschriftsteller.