Generationen von Schulkindern wurde der Biedermeier-Maler Ferdinand Georg Waldmüller verleidet.
Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) war fester Bestandteil des Lehrplans an österreichischen Schulen und nur seine konservativen Bilder wurden den Schülern zur schematischen Beschreibung vorgesetzt. Dass er ein Radikaler war, dass er nicht dem Kunstkanon folgte, fand dabei freilich keine Erwähnung.
Seine bedeutendsten Bilder stellen keine idealisierten Landschafen nach klassischen Vorbildern dar – seine Ansichten des schneebedeckten Dachsteins, der Salzkammergut-Seen oder einfach der knorrigen Bäume im Wiener Prater sind einer radikalen Wirklichkeitstreue verpflichtet. Zu seiner Klientel zählen nicht mehr Kirche und Adel, sondern das aufkommende Bürgertum. Für diese malt er die Sehnsuchtsorte ihrer neuen alpin-touristischen Erfahrungen.
Waldmüllers Spätwerk ist geprägt vom Licht des Südens. Drei Sommer verbringt er auf Sizilien. Seine Rebellion wurde geahndet: Als er im Jahre 1857 als Professor an der Wiener Akademie der bildenden Künste in seinen Schriften das Studium der Natur postulierte, wurde er zwangspensioniert. Auch seine Stelle als Kustos der dortigen Gemäldegalerie verlor er.
Die Schau wird ab Sommer 2026 auch in der Londoner National Gallery zu sehen sein.
Ferdinand Georg Waldmüller, Unteres Belvedere, Wien 27.2.2026 bis 14.6.2026
Belvedere Museum Wien | Ferdinand Georg Waldmüller

Die Ruinen des griechischen Theaters von Taormina mit dem Ätna, 1844. Rechte: Liechtenstein. The Princely Collections, Vaduz–Vienna. Mit freundlicher Genehmigung: Belvedere Museum Wien.