Tel Avivs kilometerlange Strandpromenade, auch Tayelet genannt, erstreckt sich über etwa vierzehn Kilometer entlang der Mittelmeerküste vom historischen Hafen Jaffa bis zur Grenze nach Herzliya. Sie ist tagein, tagaus eine belebte Flaniermeile für Spaziergänge und Radtouren. Menschen aus aller Welt spazieren, joggen oder sitzen auf Bänken und atmen die frische Luft ein, umgeben von einem herrlichen Küstenabschnitt mit weitem Blick, blauem Horizont und weissen Segeln, die sanft auf den Wellen hin- und herschaukeln.

1995 Religious Beach. In der Ferne Hilton Tel Aviv – Jaffa. 2024 Fotocollage Roger
Die idyllische Mittelmeerküste ist für ihre starken Wellen bekannt, oft durch starken Wind erzeugt, und birgt Gefahren wie die tückische Brandung, die durch das Zusammentreffen von hohen Wellen und dem Meeresboden unvorsichtige Schwimmer hilflos in den Strudel zieht. Selbst für routinierte Windsurfer stellen solche Bedingungen eine gefährliche Herausforderung dar.
Hinzu kommt, dass an mehreren Stellen die Steilküste von einer starken Erosion befallen ist. Um dessen Herr zu werden, wurde im Laufe der Jahrzehnte, parallel zum Meeresufer, eine Vielzahl von Wellenbrechern gebaut, welche heute die ausgeweiteten Sandstrände erfolgreich gegen Unwetter schützen.
Platz für jeden
Seit über vierzig Jahren gibt es entlang der Strandpromenade, südlich des Hafens von Tel Aviv am Nordau-Strand, eine drei Meter hohe, weissgestrichene Mauer, hinter der ein abgeschotteter Eingang zum Sandstrand führt. Auf den ersten Blick lässt sich nicht vermuten, dass ein Grossteil dieses Gebietes ausschliesslich von orthodoxen Juden frequentiert wird. Auf einem Schild steht: Frauen und Mädchen, können sonntags, dienstags und donnerstags, die Männer und die Jungen montags, mittwochs und freitags an diesem stark bewachten Strand schwimmen. Die reguläre Badesaison ist für alle Strände von Mai bis zu den Hohen Feiertagen im September/Oktober festgesetzt. Während dieser sechs Monate bringen regelmässig Busse von Bnei Brak, einem bedeutenden Zentrum des orthodoxen Judentums in den nordöstlichen Vororten, Jugendliche mit ihren aufblasbaren Schwimmbojen ans Meer. Sie sind des Öfteren von einem Elternteil begleitet. Weg von ihrem Schtetl-Leben, waten die Jüngsten am Wasser entlang, andere werden nass, planschen oder schwimmen unter der aufmerksamen Aufsicht mehrerer Rettungsschwimmer.
Ein so lebendiges Bild findet man nirgendwo anders als auf dieser langen Meile. Selbst das Tel Aviver Tourismuszentrum hat sich durchgerungen, diesen einzigartigen Ort in der Liste seiner dreizehn empfohlenen Strände aufzuführen. Mit diesem Schritt hat sich die Meeresküste von Tel Aviv – Jaffa zu einer Insel der prallen Lebensfreunde weiterentwickelt, auf der sich buchstäblich jeder zurechtfinden kann.

1995 Religious Beach. Bucht mit Wellenbrecher. 2024 Fotocollage Roger Reiss.
Alle Abbildungen: R. Reiss, mit freundlicher Genehmigung.