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Jüdischer Widerstand im Untergrund

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Moshe Beirach: Aus dem Ghetto in die Wälder.

Bericht eines jüdischen Partisanen 1939-1945.

Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Vorwort von Hans Dieter Schell. Kommentiert und mit einer Einleitung versehen von Angelika Benz.

Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2009.

231 Seiten, 10 Abbildungen, 1 Karte, Euro 9,95.-

ISBN: 978-3-596-18199-5

In der Buchreihe „Die Zeit des Nationalsozialismus", herausgegeben von Walter H. Pehle, liegt seit kurzem eine neue wichtige Veröffentlichung vor, die in der von Wolfgang Benz betreuten Folge „Lebensbilder. Jüdische Erinnerungen und Zeugnisse" erschienen ist. „Die Entstehungsgeschichte dieses Buches ist windungsreich wie das Leben des Autors Moshe Beirach und seiner Frau Pesia", schreibt Hans Dieter Schell im Vorwort, wo er über seine erste Begegnung mit der Familie Beirach in Givatayim bei Tel Aviv berichtet. Bald danach kam eine beeindruckende Übersetzung zustande, die Beirach nach der Lektüre im Gespräch mit Schell in seiner jiddischen Muttersprache folgendermaßen bewertet: „Ich hob gewejnt bajm lesn (...). Du host geschribn, wi ich wolt geschribn, as woltst du geseßn in majn kop." Denn für den Autor sei, sagte er, „die deutsche Übersetzung seiner Erinnerungen wie die Rückkehr zu den Wurzeln seiner Kindheit.

Moshe Beirach, 1918 im polnischen Pabianice, einer Kleinstadt südwestlich von �ód� geboren, wo 1939 rund 13.000 Juden lebten, beschreibt seinen Weg aus dem Ghetto �aludok in die Wälder bei Lida, wo eine starke Partisaneneinheit bis Kriegsende gegen die deutsche Wehrmacht kämpfte. Die Gründer dieser größten jüdischen Widerstandsgruppe waren die Brüder Tuvia, Zusia, Asael und Aharon Bielski, die nach der Ermordung ihrer Eltern zusammen mit einigen Nachbarn in die Wälder geflohen waren.

Die Bielski-Gruppe bestrafte Kollaborateure, wie Mitglieder der Besatzungspolizei, die sich durch besondere Grausamkeiten auszeichneten, und versuchte immer wieder durch gewagte Sabotageakte das deutsche Besatzerregime zu schwächen. Gleichzeitig aber halfen sie auch, wie Angelika Benz in ihrer Einleitung feststellt, Zivilisten zu schützen und ihnen bei Überleben zu helfen. Wie bedeutsam dieser jüdische Widerstand war, zeigt auch die Tatsache, dass auf den Kopf von Tuvia Bielinski eine Belohnung von 100.000 Reichsmark ausgesetzt war. Und obwohl 1943 SS- und Polizeieinheiten in den von der Wehrmacht abgesperrten Gebieten öfters große Razzien durchführten, wurden die Bielski-Partisanen nicht gefasst und konnten bis zur Befreiung durch die Rote Armee, im Sommer 1944, überleben.

Die 108 teils ausführlichen, erklärenden Fußnoten, das in den Text eingefügte Bildmaterial und eine doppelseitige Karte mit den Stationen und Bewegungen Moshe Beirachs, 1942-1944 in Weißrussland, ergänzen diese wertvolle Dokumentation des jüdischen Widerstands im Untergrund - ein bedeutsamer historischer Aspekt, der Achtung und  Bewunderung  verdient.