Die meisten Holocaust-Leugner sind jetzt endlich unter der Erde und die historische Forschung hat grosse Fortschritte gemacht. Und nun produzieren böswillige Menschen mittels KI gefälschte Bilder von der Shoah und die Jugend fragt sich wieder: Ist das alles wirklich so gewesen? Hat die Shoah überhaupt stattgefunden?
Die KI von Google und Microsoft, die mir zur Verfügung steht, ist naiv, schlecht informiert und nur dazu geeignet, aus Stichwörtern nette Volksschulaufsätze zu generieren. Doch in der professionellen Bildproduktion bringt sie unglaubliche, von Originalen nicht zu unterscheidende Resultate, die leider die Sicht auf die tatsächlichen historischen Geschehnisse beeinträchtigen können. Die unsagbaren Greuel wirken in Bildern viel stärker als durch Worte, ich erinnere mich noch lebhaft an den ersten Mauthausen-Film, den ich mit 17 Jahren gesehen habe, das Beladen eines Lastwagens mit ausgemergelten Leichen, noch dazu in Farbe! Das bleibt mehr hängen als alle Erzählungen von Zeitzeugen.

Schon bald nach dem Krieg, als es noch wenig Bildmaterial zum Holocaust gab – die meisten Archive und die Nachlässe der SS-Fotografen waren noch nicht zugänglich – begannen einige Publizisten, mit Schere, Kratzwerkzeug und Eiweisslasurfarbe sich an den Fotonegativen zu vergreifen und Bilder von Opfern und Tätern zusammenzubringen. Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut, sie leisteten einen Bärendienst – wenn in einer Erzählung nachgewiesenermassen Fälschungen stecken, könnte dann nicht die ganze Geschichte unwahr sein?
In den letzten Jahren ist eine Vielzahl von echten Fotografien aufgetaucht, die das Grauen illustrieren. In München machte Anfang 2026 die Wanderausstellung Festgehalten. Verschleppt aus Deutschland 1933-1945 Station, im Foyer des Bayerischen Rundfunks. 1
Diese verifizierten Bilder zur Thematik Holocaust sind im Internet auf https://atlas.lastseen.org/ abrufbar. Leider sind in dieser Zusammenstellung nur Bilder aus der heutigen Bundesrepublik versammelt, nicht aber aus Österreich oder Tschechien 2, also ist dies auch wieder Stückwerk, wie üblich in der deutschen historischen Forschung zieht der Kantönligeist enge Grenzen, das Grauen der Shoah jedoch war grenzenlos.
Im Umfeld dieser Ausstellung wurde die Flut an KI-Fälschungen zum Thema Holocaust publik gemacht. Diese werden von Wissenschaft und Politik einhellig abgelehnt, so schreibt die Historikerin Alina Bothe:
"Wir müssen fürchten, dass die Quellen des Holocaust verzerrt werden, dass wir selbst auch nicht mehr sehen können, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt. Und das wird dazu führen, dass Menschen aufhören, den Quellen zu vertrauen. Und wenn wir kein Vertrauen mehr in die Quellen haben können, dann fängt man an, zu zweifeln: War das denn wirklich so?" 3

Bothe arbeitet am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und hat über die Geschichte der Shoah in den digitalen Medien dissertiert. 4 Auch die Deutschen KZ-Gedenkstätten fordern ein „konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen“. 5 Auch der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer tut desgleichen, statt dagegen etwas zu tun, fordert er ein „energisches Vorgehen der EU … Das Leid der Opfer darf nicht verfälscht und verzerrt werden.“ Die EU kümmert sich um solche Dinge, wo man kein Schmattgeld erwarten kann, bekannterweise nicht.
Das erste Bildbeispiel zeigt die Deportation von Münchner Juden im November 1941, identifiziert wurden links Gertrud Cahn und in der Mitte ihre kleine Tochter Judis.6 Das Foto wurde von einem hohen Standpunkt, vermutlich mit einer Leica mit Blitzlampe aufgenommen, die Schärfe liegt sehr weit im Hintergrund, sodass die meisten Gesichter unscharf sind, offenbar war wenig Zeit zum Scharfstellen. Die Blitz-Verschlusszeit lag bei einer Hundertstel-Sekunde, um Bewegungsunschärfe zu minimieren. Wir sehen also eine Hundertstel-Sekunde aus der Shoah.
Abbildung 2 zeigt eine „gut gemeinte“, aber schlecht gemachte Fotomontage: Der Nazi-Offizier mit den Zuschauern und die Gehängten waren niemals am selben Ort. Der Spiegel verwendet das Machwerk heute noch zur Illustration eines Artikels über NS-Täter 7, man hat also in den letzten Jahrzehnten nichts dazugelernt. Wie man sieht, wurde der Nazi mit feinkörnigem Film in Normalperspektive abgelichtet, während die Opfer mit grobkörnigem Material, überbelichtet und in leichter Untersicht fotografiert wurden. Warum scheint die Sonne auf die Opfer von rechts und auf den Nazi gar nicht? Wenn eine so starke Beleuchtung war, wieso sind dann die Zuschauer unscharf? Bei viel Licht muss man die Blende ganz klein machen, da wird das Bild von Vordergrund bis Hintergrund messerscharf, das linke Foto wurde mit einer grossen Blendenöffnung aufgenommen. Eine sehr schlecht gemachte analoge Verfälschung, da waren Stalins fotografische Ateliers damals viel besser!

Die nächste Abbildung 8 ist die Ikone des Warschauer Ghettos, aber nicht das Original. Das Bild wurde vermutlich von einer Propagandakompanie aufgenommen, doch das war dem United States Holocaust Museum nicht gut genug, daher „verbesserte“ man es mit Adobe Photoshop:
„This is a retouched picture, which means that it has been digitally altered from its original version. Modifications: Restored version of Image :Stroop Report - Warsaw Ghetto Uprising 06.jpg with artifacts and scratches removed, levels adjusted, and image sharpened..,”:
Der Betrachter fragt sich, warum muss man Kratzer entfernen, scharf- und weichzeichnen und somit die Aura des Originals zerstören, damit es so aussieht, als wenn das Bild jemand gestern mit dem Handy gemacht hätte? Aber irgendwo gibt es ja hoffentlich noch das Original. Auch hier wurde die Schnappschuss-Einstellung 9 der Leica verwendet, der Fotograf stand auf einem Lastwagen(?) und „schoss“ auf die Menschen hinunter, die zum ihm hingetrieben wurden. Wieder war eine kurze Verschlusszeit eingestellt, um Bewegungsunschärfe zu minimieren.

Das berühmte Bild Nummer 4 ist eines der ganz wenigen, die in Auschwitz-Birkenau gemacht wurden und vor ein paar Jahren aufgetaucht sind 10, sie stammen von einem Sonderkommando griechischer Juden. Das Bild zeigt noch das Originalformat 4,5 x 6 cm, das für die damaligen billigen Box-Kameras typisch war. Diese wurden mit Rollfilm bestückt, der sich bei längerer Lagerung zersetzte, also muss der Film bald entwickelt und als Kontaktkopie auf Papier gebracht worden sein. Das kann nur dadurch geschehen sein, dass die Filmkapsel aus dem Lager geschmuggelt oder über den Zaun geworfen wurde, als Flaschenpost sozusagen. Allerdings ist auch dieses Foto digital optimiert worden, als ich es vor Jahren zum ersten Mal sah, konnte man die Szene kaum erkennen. Dazu fehlt auf Wikipedia allerdings der Hinweis auf die Bearbeitung.
Nun zwei Beispiele von KI-Fälschungen, die in „Sozialen“ Medien kursieren. Das eine zeigt angeblich einen U.S.-Soldaten bei der Befreiung von Buchenwald.11 Der knorrige GI, ein Typ wie John Wayne, trägt zwei arme Kleinkinder auf den Armen, jedoch tragen sie massgeschneiderte Häftlingskleidung. Seine Uniform ist etwas derangiert und nicht regelkonform, da ein Blouson nicht die letzte Schicht der Bekleidung sein konnte, es fehlt die Jacke und eine ordentliche Koppel. Auch der Helm sieht von der Form her eher nach Vietnamkrieg aus. Die KI wurde offensichtlich nicht nur mit Kriegs- und KZ-Bildern, sondern auch mit Kunst gefüttert. Die Art, wie der Mann die Kinder trägt, erinnert fatal an die Tote Mutter von Egon Schiele. Das Bild wurde auf Facebook ohne Hinweis auf eine KI-Anwendung publiziert. Würde man dieses Machwerk als Fälschung erkennen? Auf den ersten Blick erscheint es nur vom Thema absurd, auf den zweiten sieht man die Ungereimtheiten in der Bekleidung, auf den dritten sieht man, dass die Figuren wie ausgeschnitten gegen den unscharfen Hintergrund stehen. Wie könnte man etwas so fotografieren? Bei hellem Himmel braucht man eine sehr kleine Blendenöffnung, sonst ist das Bild überbelichtet, da erhält man aber einen scharfen Hintergrund. Also ein schlechtes Fake, die KI ist halt dumm, weil sie von Menschen gefüttert wird, die von Fotografie keine Ahnung haben.12

Das letzte Bild versucht auf die Tränendrüse zu drücken, ein junges Mädchen, angeblich in Auschwitz, spielt uns mit gesenktem Blick etwas auf der Geige vor.13 Die KI hat wieder keine Ahnung, wie Fotografie funktioniert, wieder ein unscharfer Hintergrund, der technisch unter diesen Bedingungen nicht möglich wäre. Das ist schon peinlich, man sollte die KI nicht mit irgendwelchen Daten, sondern mit Fotokursmaterial füttern. Das Besondere sind aber die Menschen im Hintergrund, was machen die in Auschwitz? Drei Frauen in ziviler Kleidung, wer sind sie? Rechts eine Karikatur von Himmler, trägt er zur Uniform einen Judenstern? Nebenbei, wo in Auschwitz soll das sein? Wo gibt es den grossen Platz mit Gehsteig und Wiese mit Wald dahinter, ohne dass Baracken, Gleise, Zäune dazwischen wären? Und für wen spielt sie? Wie hat sie im Vernichtungslager die Geige putzen können und einen neuen Kinnhalter mit Gummiröhrchen draufschrauben? Zuletzt, wann ist diese Aufnahme entstanden? Mädchen in diesem Alter bekamen keine Häftlingskleidung, sie kamen sofort nach ihrer Ankunft auf der „Rampe“ nach links in die Gaskammern. Sie hätte keine Zeit für eine musikalische Darbietung gehabt.
So wird mit KI die Geschichte verfälscht, beim Holocaust ein besonderes Problem, da man immer neu beweisen muss, dass er tatsächlich stattgefunden hat. Etwas dagegen unternehmen könnte der Meta-Konzern des Herrn Zuckerberg, der daran aber kein Interesse hat. Man hat dem Golem namens KI einen digitalen Chip statt des Herzens gegeben und jetzt ist er da und treibt sein Unwesen, bis ein weiser Rabbi ihn dereinst umbringen wird. Wir werden ja sehen, wie lange es dauert, bis alle Medien, die KI verwenden, boykottiert werden – ein Boykott, der die Gewinne der Nonsens-Konzerne Meta, Google und Konsorten einbrechen liesse, wäre die einzige Möglichkeit, um das Monster KI wieder loszuwerden.

Anmerkungen
2 Polen ist für deutsche Zeithistoriker ohnehin ein weisser Fleck, nach den Angriffen polnischer Politiker traut man sich über Polen nicht mehr zu schreiben. Vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/liebe-kolleginnen-und-kollegen-warum-schweigt-ihr/ abgerufen 25.01.2025.
4 https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110558036/html?lang=de&srsltid=AfmBOorr119_TDg6kXHkddJDkNFCd_cQak_i7NYEApOzKoD5WbARbntl abgerufen 22.01.2026.
5 https://www.gedenkstaettenforum.de/gedenkstaetten/netzwerke/netzwerk-digital-history-and-memory/offener-brief-konsequentes-vorgehen-gegen-ki-generierte-holocaust-verfaelschungen-auf-socia-media-plattformen abgerufen 22.01.2026.
6 Bildrechte: Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NS-00017.
Abgerufen 22.01.2026.
8 Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17223940
9 Blende 8, Verschlusszeit 1/100 sec., Entfernung unendlich.
10 Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8665913
11 https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/ki-fake-bilder-holocaust-tiktok-facebook-weimer-reaktion-li.3371572 Quelle: Facebook/Historic Voices abgerufen 22.01.2026.
12 Vergleiche die Berichte über Ausbeutung von KI-Arbeitern in Kenia, z.B. https://www.zeit.de/2025/44/ausbeutung-kenia-kuenstliche-intelligenz-forschung-gxe abgerufen 01.02.2026.
13 https://www.bbc.com/news/articles/ckg4xjk1g1xo abgerufen 22.01.2026.
Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung M. Bittner.