Ausgabe

Ein Fest in Salzburg

Tina WALZER

Vor einhundert Jahren erwarb Max Reinhardt Schloss Leopoldskron

 

Inhalt

Es war im Jahr 1918, als der heute noch weltberühmte Regisseur und Intendant Max Reinhardt Schloss Leopoldskron kaufte. In den folgenden Jahren gründete er nicht nur die Salzburger Festspiele, sondern brachte auch das verfallende Barockschloss mit viel Liebe und enormem Einsatz wieder zum Strahlen. Im Juli 2018 feierte ihn die jetzigen Eigentümerin, das Salzburg Global Forum, mit einer glanzvollen Gala-Einladung.

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Max Reinhardt. Foto, 1920. Mit freundlicher Genehmigung: Schloss Leopoldskron.

 

Am 9. September 1873 kam in Baden bei Wien Maximilian Goldmann zur Welt, 1904 änderte die Familie ihren Namen in Reinhardt. Im Alter von 45 Jahren hatte Max Reinhardt gerade den ersten Höhepunkt seiner Karriere als Theater-Impresario in Berlin hinter sich, als er 1918 nach Salzburg kam. Mit der Gründung der Salzburger Festspiele, die er gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss ins Leben rief, gelang es ihm dort ein Konzept durchzusetzen, das bis heute ein Welterfolg ist.

 

Das zunächst baufällige Schloss bot Reinhardt einen idealen Rahmen für seine Inszenierungen der internationalen Gesellschaft, der er in dem zusehends renovierten, umgestalteten und prunkvolleren Schloss einzigartige Feste bot. Im Rahmen seiner Einladungen wurde auch Stationen-Theater in den einzelnen Räumen sowie im weitläufigen barocken Schlosspark gezeigt - ein von Reinhardt neu errichtetes, kleines Gartentheater ergänzte zu diesem Zweck bald das bauliche Ensemble. Nach einander erstrahlten das Treppenhaus, die grosse Halle und der Marmorsaal in neuem Glanz. Der einzigartige, von Reinhardt selbst entworfene Bibliothekssaal folgte, neben dem Reinhardts im Vergleich geradezu winzig wirkendes Privatarbeitszimmer liegt. Aus der Bibliothek führt eine verborgene Wendeltreppe ins Schlafzimmer des Hausherrn. Vor den Fenstern erstreckt sich der atemberaubende Blick über den Leopoldskroner Weiher hinüber bis zum Untersberg, sowie über die prachtvolle Gartenanlage, ebenfalls wieder instand gesetzt und erweitert. Schloss Leopoldskron wurde unter Max Reinhardt zu einem pulsierenden Zentrum der zeitgenössischen Künstler aus Literatur, Theater, Oper und Musik.

 

Dieses äusserst kreative Engagement wurde durch den stetig zunehmenden Antisemitismus erstickt. Spätestens ab 1933 war Reinhardts Existenz, der ja neben Salzburg sowie dem Wiener Theater in der Josefstadt ein weiteres Standbein in Berlin hatte, angesichts des endgültig an die Macht gekommenen Nationalsozialismus prekär. Bis 1937 lebte Reinhardt noch in Schloss Leopoldskron, als er im Oktober mit seiner Frau vor der zunehmenden Verfolgung in die U.S.A. fliehen musste. Gleich nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich wurde sein Schloss Leopoldskron am 16. April 1938 enteignet. Er schrieb aus dem Exil an seine Frau, die Schauspielerin Helene Thimig: 

 

„Ich habe achtzehn Jahre in Leopoldskron gelebt, wirklich gelebt, und ich habe es lebendig gemacht. Ich habe jedes Zimmer, jeden Tisch, jeden Sessel, jedes Licht, jedes Bild gelebt.  Ich habe gebaut, gezeichnet, geschmückt, gepflanzt und geträumt davon, wenn ich nicht da war. (...) Ich habe es immer feiertäglich geliebt; nie als etwas Alltägliches.  Es waren meine schönsten, reichsten und reifsten Jahre (...) Ich habe es verloren, ohne zu jammern.  Ich habe alles verloren, was ich hineingetragen habe.  Es war der Ertrag meiner Lebensarbeit.“ 

 

Am 31. Oktober 1943 starb Max Reinhardt in New York. Schloss Leopoldskron hat er nie wieder gesehen. Seine Erben konnten es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 restituieren und übergaben es zwei Jahre später dem Harvard-Absolventen Clemens Heller, dem Gründer der U.S.-amerikanischen Organisation Salzburg Seminar in American Studies. Hellers Idee,  dem kriegszerstörten Kontinent und seinen Bewohnern auch einen Marshall Plan of  the Mind zu bringen, hatte Helene Thimig überzeugt, dass ein Think Tank für den Frieden in Europa und der Welt die beste Nutzung und im Sinne ihres verstorbenen Mannes sei. 

 

Seit Jahrzehnten setzt sich die non-profit-Organisation nun bereits dafür ein, Konfliktlösungen zu erarbeiten, Brücken zwischen verfeindeten Nationen zu bauen, und sie beim Wiederaufbau ihrer Länder und ihrer internationalen Beziehungen zu unterstützen. 1959 kaufte die Organisation Schloss Leopoldskron, ihre Umbenennung 2007 in Salzburg Global Forum trug dem veränderten Fokus ihrer Aktivitäten angesichts weltweiter Konflikte Rechnung. Das Schloss und der Park bieten den sorgfältig und mit wohltuendem, weil angemessenem historischem Verständnis gepflegten gastfreundlichen Rahmen für eine internationale Begegnungsstätte.