Aktuelle Ausgabe

Archiv

Buchrezensionen

Leserbriefe
Termine

Abonnements
Spenden

Der Verein
Links

Kontakt

 

Suche

 

 


Artikel:


Buchrezensionen:

Ausgabe 81

Geschichte des österreichischen Judentums

Kurt Schubert: Die Geschichte des österreichischen Judentums.


Wien - Köln - Weimar: Böhlau 2008.

171 Seiten, Euro 29,90.-

ISBN 978-3-205-77700-7

 

Der Band ist ein Nachlasswerk des 2007 verstorbenen Doyens der deutschsprachigen Judaistik, Kurt Schubert. Schubert lehrte von 1945 bis 2006 an der Universität Wien, erhielt 1959 die erste Professur für Judaistik im deutschen Sprachraum und wurde ebendort sieben Jahre später Vorstand des neu gegründeten Instituts für Judaistik. Seine Biographie ist vom Engagement für einen christlich-jüdischen Dialog und damit verbunden dem Kampf gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus, auch und vor allem in katholischen Reihen, sowie dem Aufbau des Jüdischen Museums in Eisenstadt geprägt.

Das Buch bietet einen skizzenhaften Überblick über jüdische Geschichte in Österreich von ihren Anfängen im Frühmittelalter bis heute, wobei, neben kurzen Phasen relativer Sicherheit, die permanente Bedrohung von Juden und Jüdinnen deutlich wird. Die Geschichte des österreichischen Judentums ist daher nicht zuletzt aufgrund des massiven christlichen Antisemitismus eine Geschichte von Verfolgung und Vertreibung. Pogrome vor dem Hintergrund der Kreuzzüge und Pestkatastrophen, Ritualmordlegenden, die Konfrontation von Juden und Jüdinnen mit dem im 19. Jahrhundert aufkommenden modernen Antisemitismus und die Shoa stehen daher im Zentrum des Bandes, der aber gleichzeitig auch auf innerjüdische Debatten und Konflikte eingeht.

Das letzte Kapitel über die Zeit nach 1945 ist vor allem biographisch geprägt und skizziert den Aufbau des christlich-jüdischen Dialogs sowie Schuberts Engagement im Kampf gegen antisemitische Ressentiments und für Judaistik als Wissenschaft.

Als Kritikpunkte müssen sowohl das teilweise Fehlen begrifflicher Sensibilität und apologetische Tendenzen hinsichtlich der Einschätzung des Austrofaschismus, als auch der traditioneller Geschichtsschreibung verpflichteter Ansatz genannt werden, wodurch manche Phänomene jüdischer Geschichte, etwa die Heterogenität „des" Judentums, aus dem Blickfeld geraten. Dennoch schafft das Buch einen groben thematischen Überblick und ist nicht zuletzt vor allem ein persönliches Dokument.

 

Matthias Falter