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Ausgabe 76

Karl Emil Franzos

Schriftsteller zwischen den Kulturen

Evelyn Adunka


Schriftsteller zwischen den Kulturen.
Hg. von Petra Ernst. Innsbruck, Wien: Studien Verlag 2007.
152 Seiten, Euro 19,90.- / ISBN 978-3-7065-4397-2

Der aus Galizien stammende, in Graz, Wien und Berlin wirkende Schriftsteller Karl Emil Franzos entfaltete auch nach seinem Tod 1904 eine erstaunliche Wirkungsgeschichte. Im Jahr der 100. Wiederkehr seines Todestages fanden in Wien und Berlin zwei Tagungen über Leben und Werk statt. Die Beiträge der von Claudia Erdheim konzipierten Tagung in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur in Wien liegen nun in Buchform vor.

Franzos stammte aus keiner religiösen Familie und hielt Zeit seines Lebens an seiner Kritik am Chassidismus fest, von dem er, wie Maria Klanska in dem vorliegenden Band analysiert, ein sehr einseitiges Bild zeichnete. Andrei Corbea-Hoisie, Gabriele von Glasenapp und Petra Ernst widmen sich in ihren Beiträgen kompetent neuen Aspekten von Franzos’ Werk, etwa seinem Deutschnationalismus, der Thematik interreligiöser Liebesbeziehungen oder dem Motiv des Lesens. Hildegard Kernmayer analysiert die in der Sekundärliteratur meist weniger beachteten Feuilletons, die Franzos in der "Neuen Freien Presse" und in den relativ schwer zugänglichen Sammlungen "Aus Halb-Asien" publizierte.

Der Wiener Germanist und Nederlandist Leopold Decloedt untersucht die Korrespondenz zwischen Ottilie Franzos und dem niederländischen Literaturwissenschaftler Julius Pée, der ein Buch über Franzos plante. Obwohl Pée aus für Decloedt nicht eruierbaren Gründen dieses Buch nicht schrieb, ist die hinterlassene Korrespondenz mit Ottilie Franzos sehr interessant, vor allem auch, weil durch sie die Persönlichkeit von Franzos’ Witwe etwas mehr ins Rampenlicht tritt.

Claudia Erdheim nähert sich im abschließenden Beitrag des Bandes dem realen jüdischen Leben Galiziens, das hinter Franzos’ Geschichten steht und das sie aus zahlreichen zeitgenössischen historischen Quellen während der Recherchen zu ihrem Roman "Längst nicht mehr koscher" rekonstruierte.