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Ausgabe 76

Aus der Tragödie des jüdischen Volkes während des 2. Weltkrieges hervorgegangen

Das Jüdische Museum in Prag

Naomi HOLEKOVÁ


Das Jüdische Museum in Prag ist mit seinen jährlich 500 – 600.000 Besuchern das gleichbleibend meistbesuchte Museum der gesamten Tschechischen Republik.

Die Besichtigung seiner Synagogen aus verschiedenen historischen Epochen und der Ausstellungen mit ihrem außerordentlichen Reichtum an rituellen Gegenständen bietet ein ganz besonderes kulturelles Erlebnis, eines der eindruckvollsten, das die tschechische Hauptstadt bereithält.

Thorazeiger: Copyright Jüdisches Museum in Prag

Es ist nicht nur die einzigartige Verknüpfung der Architektur mit der Handwerkskunst der Schöpfer der einzelnen Artefakte, die das Jüdische Museum in Prag zu einem unvergesslichen Ort machen. Seinen Reichtum verdankt das Museum nämlich nicht den Mäzenen, Sammlern, Stiftungen oder der Unterstützung durch die Stadt oder den Staat, wie es sonst in der Welt üblich ist. Das Jüdische Museum in Prag erlangte seine Berühmtheit vor allem durch die Fügung eines grausamen Schicksals, denn es ging in seiner spezifisch festgelegten Form aus der Tragödie des jüdischen Volkes während des 2. Weltkrieges hervor. Die von den Nazis kontrollierte Bergung der Gegenstände aus den liquidierten tschechischen und mährischen jüdischen Gemeinden in das Jüdische Museum wurde damals zur Vorstufe des Zusammentreibens von Menschen. Zuerst bekamen die Dinge Nummern und dann jene, die sie benutzt hatten. Die Dinge jedoch – im Unterschied zu den Menschen – überstanden das Wüten des Krieges.

Die Gegenstände, die man im Jüdischen Museum Prag zusammengetragen hatte, wurden lange totgeschwiegen. Das erste Mal, als sie die Nazis jenen entrissen, denen sie jahrhundertelang gehört hatten, zum zweiten Mal durch die Willkür der kommunistischen Machthaber, die während ihrer über vierzig Jahre dauernden Herrschaft nicht erlaubten, sie im jüdischen geistigen und historischen Kontext auszustellen.

Das Jüdische Museum in Prag, das seit Oktober 1994 als nichtstaatliche, von der Föderation Tschechischer Jüdischer Gemeinden verwaltete selbständige Institution tätig ist, hat diese Schuld getilgt und wurde sowohl zu einer würdigen Gedenkstätte für die Opfer der Shoah als auch ein Ort der dauerhaften Wahrung und Vergegenwärtigung der Schönheit und Größe jüdischer Kultur.


Der alte jüdische Friedhof in Prag. Copyright: Jüdisches Museum in Prag

Die Sammlungen des Jüdischen Museums in Prag sind mit ihren fast 40.000 Gegenständen und 100.000 Büchern die umfangreichste Sammlung jüdischer Kunst auf der Welt. Das Museum befasst sich vor allem mit der fachkundigen Verwaltung, dem Zusammentragen und der Präsentation seiner Sammlungen, der Verwaltung des Archiv- und Bibliotheksfonds, mit wissenschaftlicher, Forschungs-, Bildungs- und Publikationstätigkeit und pflegt jene historischen Objekte, die seiner Verwaltung unterstehen. Die fachkundige Tätigkeit des Museums wird sichergestellt von: der Sammlungsabteilung, der Abteilung für Judaistik und Geschichte der Juden, der Bibliothek, dem Referenzzentrum des Museums und dem Bildungs- und Kulturzentrum.