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Buchrezensionen:

Ausgabe 112

Das Exil überanstrengte viele Herzen

Monika Kaczek


Bettina Baltschev: Hölle und Paradies. Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur.

Berlin: Berenberg Verlag 2016

168 Seiten, Abbildungen, Halbleinen, fadengeheftet

Euro 22,00 

ISBN 978-3-946334-08-8

Auch als E-Book erhältlich

Bis heute ist der Amsterdamer Querido Verlag für Buchkenner ein prominenter Name. Von 1933 bis 1940 sowie ab 1946 bis 1950 wurden hier die Werke vieler AutorInnen, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen mussten, veröffentlicht.

Einer von ihnen war Klaus Mann, der von der Stadt zunächst begeistert war: „Amsterdam: was für eine schöne, unverwechselbare Stadt! Sie wurde zur Zuflucht, sie lässt uns arbeiten." Doch bald erkannte er: „Das Exil überanstrengte viele Herzen." Die Geschichte des Querido Verlages begann mit der Begegnung zwischen Fritz Landshoff, der seit 1927 Mitinhaber und Geschäftsinhaber des renommierten Kiepenheuer Verlagshause war, mit Emanuel Querido. Letzterer leitete seit 1915 einen Verlag in der Adresse Keizersgracht 333. Die beiden Männer wurden ein gutes Team und konnten zahlreiche AutorInnen für sich gewinnen, allerdings unter der Bedingung,  dass die Veröffentlichungen Erstausgaben sein mussten. 

Diese Geschichte wird von der Hörfunk-Redakteurin und Kulturwissenschaftlerin Bettina Baltschev anhand einer Spurensuche im heutigen Amsterdam berührend erzählt. Dir Autorin schildert auch die schwere Situation der EmigrantInnen in Zeiten des Krieges. Wie im Titel des Buches befinden sich Hölle und Paradies nebeneinander. Im Mai 1940 wurde der Querido Verlag von der Gestapo geschlossen, doch einige Mitarbeiter konnten die Bücher verstecken. Fritz Landshoff gelang die Emigration nach New York. Emanuel Querido und seine Frau Jane werden deportiert und sterben 1943 im Vernichtungslager Sobibór. 1948 konnte Landshoff gemeinsam mit Alice van Nahuys, einer engen Vertrauten Queridos, und mit dem Verleger Gottfried Bermann Fischer den Bermann Fischer/Querido Verlag aufbauen. Das Buch endet mit einer Passage aus Irmgard Keuns Buch Kind aller Länder, das 1938 im Querido Verlag erschienen ist. vom Kully, ein junges Mädchen aus dem Roman erinnert sich: „»Hast du nie Heimweh?«  fragte mich ein alter Mann, und ich wusste zuerst nicht, was er meinte. Er hat es mir erklärt. Manchmal habe ich Heimweh, aber immer nach einem anderen Land, das mir gerade einfällt."