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Ausgabe 111

Operation Anthropoid

Zerstörung der Dörfer Ležáky und Lidice als Vergeltung für die Liquidation des stellvertretenden Reichsprotektors Reinhard Heydrich

Jana PŮLPÁN KHEKOVÁ


Am 22. Juni 2016 wurde in der Botschaft der Tschechischen Republik in Österreich dem Andenken an die tragischen Ereignisse rund um die Vernichtung der Dörfer Ležáky und Lidice im Juni 1942 ein Abend gewidmet. Die beiden Dörfer wurden wegen des Verdachts, dass ihre Bewohner Kontakte mit jenen Fallschirmspringern hatten, die am 27. Mai 1942 den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich liquidierten, als Vergeltung niedergebrannt. Alle Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden erschossen, die Frauen ins KZ geschickt und die Kinder verschleppt. h111_017

Diskussion mit  beiden Autoren des Filmes, Jarmila Doležalová und Martin Vadas, sowie S. E. Botschafter Jan Sechter in der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien. Foto: Botschaft der Tschechischen Republik, mit freundlicher Genehmigung.

Nach dem Grusswort des Botschafters der Tschechischen Republik in Österreich Jan Sechter übernahm das Wort die Autorin des Buches Das Schicksal heisst Ležáky, Jarmila Doležalová, deren Mutter als Kind als eine der wenigen die Zerstörung des Dorfes Ležáky überlebte. Sie wurde für die Eindeutschung ausgewählt und in eine deutsche Familie geschickt. Ihre Tochter Jarmila Doležalová hat sich bereits seit langem der Geschichte der Dörfer Lidice und Ležáky und ihrer Bewohner, insbesondere der Kinder zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach, gewidmet und ist zudem Autorin mehrerer Bücher zu diesem Thema. Die Autorin Jarmila Doležalová und der Regisseur Martin Vadas, ein weiterer Gast des Abends, präsentierten ebenfalls als österreichische Premiere den Film Die Wege der Kinder, der vom tschechischen Fernsehen produziert wurde. Der Film beschäftigt sich mit dem Schicksal der Kinder, die aus den Dörfern Ležáky und Lidice verschleppt wurden.  Diejenigen Kinder aus Lidice und Ležáky, die zur Eindeutschung ausgewählt wurden, erzählen darin über ihre Erlebnisse. Das Hauptaugenmerk des Filmes liegt jedoch auf dem Schicksal jener Kinder, die als ungeeignet für die Eindeutschung beurteilt wurden, und deren Spuren im Durchgangslager in Lodž endeten. Ihr Schicksal ist bis heute nicht vollständig geklärt und es ist möglich, dass manche dieser Kinder überlebten. Diese Ansicht vertritt, aufgrund der Ergebnisse ihrer Forschung, auch Jarmila Doležalová. Nach dem Film folgte eine Diskussion mit den beiden Autoren des Filmes. Die zahlreichen Fragen des Publikums, waren der Beweis dafür, dass der Film das Interesse der Zuschauer weckte. Zu den Ehrengästen des Abends gehörte auch die Botschafterin  Israels, I.E. Talya Lador-Fresher.

Das historische Ereignis, das der Vernichtung der Dörfer Lidice und Ležáky vorrausgeht, das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich, wurde im Comic von Barbara Šalamounová vorgestellt und die Besucher hatten die Möglichkeit, sich diesen in der Botschaft anzusehen. Der Comic ist Teil des Buches Die Bilder der tschechischen Geschichte 1918-1945, welches in der Tschechischen Republik herausgegeben wurde. 

Die Erinnerung an das Dorf Lidice ist nicht verschwunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind 143 Frauen aus Lidice und nach zweijähriger Fahndung auch 17 Kinder zurückgekehrt. Das neue Dorf Lidice wurde 300 Meter entfernt vom ehemaligen Dorf wieder aufgebaut. Auf dem Gebiet des ursprünglichen Lidice wurde ein Park gegründet und eine Statuengruppe, die an die Kinder von Lidice erinnern, angebracht. Jedes Jahr wird auch eine Internationale Kinderkunstausstellung im Dorf organisiert. Die Ausstellung wurde im Jahre 1967 zur Wahrung des Andenkens an die Kinderopfer aus der tschechischen Gemeinde Lidice, die von den deutschen Nazis ermordet wurden, sowie an alle weiteren Kinder, die in den Kriegskonflikten ums Leben kamen, gegründet.